Meuterei der Klimaschützer

Der Kopenhagener Gipfel ist gescheitert - und Klimaforscher spielen mit dem Gedanken an eine autoritäre Regierungsform, um die globale Erwärmung zu bewältigen. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch warnen vor dieser antidemokratischen Strömung. Was genau passiert hier? Die Diagnose des Trends zum Zweifel an der Demokratie stützt sich auf eine Anzahl von Beobachtungen, die ihrerseits in einem Zusammenhang stehen:

Erstens: Die Robustheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaerwärmung und der Konsens in der Fachgemeinde haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur erhöht. Auch die Zahl der Untersuchungen aus jüngster Zeit, die weitaus dramatischere und länger andauernde Folgen der Erwärmung als bisher angenommen prognostizieren, hat zugenommen. Wie ist es aber möglich, so hört man immer öfter, dass diese zuverlässigen Erkenntnisse einfach keine nachhaltigen und wirksamen Konsequenzen für das Handeln der Gesellschaften haben?

Wie ist es möglich, dass die Politik den daraus sich ergebenden dringenden Handlungsbedarf nicht in Taten umsetzt?

Aktualisiert (Freitag, den 18. Februar 2011 um 18:49 Uhr)

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Auslaufmodell Demokratie - Jeder weiss es

Der Kopenhagener Gipfel 2010 ist gescheitert - und Klimaforscher spielen mit dem Gedanken an eine autoritäre Regierungsform, um die globale Erwärmung zu bewältigen. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch warnen vor dieser antidemokratischen Strömung. Die Demokratie scheint in der Forschung unantastbar zu sein. Ernsthafte, öffentlich und lautstark vorgetragene Zweifel von Wissenschaftlern an der Demokratie als politischem System lassen sich kaum finden - es sei denn, sie sind von Diktatoren aufgefordert, sich zur Abwesenheit der Demokratie in ihrer Gesellschaft zu äußern. In einem solchen Fall verlieren sie mit Recht jede Legitimität, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden. Auf dem Feld der Klimaforschung und Klimapolitik aber kann man das Gegenteil beobachten - insbesondere nach dem Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels. Es ist nicht mehr nur der tiefe Graben zwischen Erkenntnis und Handeln, der beklagt wird - es ist die lästige Demokratie, die als Schuldige ausgemacht wird.

Führende naturwissenschaftlich orientierte Klimaforscher betonen, die Menschheit stehe an einem Scheideweg. Das ökonomische und politische Weitermachen führe in die Katastrophe. Um eine global nachhaltige Lebensweise zu realisieren, bräuchten wir umgehend eine "große Transformation", fordert etwa Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Was genau damit gemeint ist, bleibt oft vage. Ein Teil, wenn nicht sogar das Herzstück dieser großen Transformation ist in den Augen mancher Klimaforscher - und anderer Wissenschaftler, die sich an der Diskussion beteiligt haben - ein anderes Politikregime: "Wir benötigen eine autoritäre Regierungsform, um den Konsens der Wissenschaft zur Treibhausgasemissionen zu implementieren," argumentieren die Australier David Shearman and Joseph Wayne Smith in ihrem Buch "The Climate Change Challenge and the Failure of Democracy".

Aktualisiert (Freitag, den 18. Februar 2011 um 18:50 Uhr)

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Ende der Aufklärung

Die Ära der stabilen Währungen geht zu Ende. Weltweit fordern Ökonomen höhere Inflationsraten - um so die Staatshaushalte unauffällig zu entschulden. Doch die Politik des billigen Geldes ist kein eleganter Weg: Steigende Preise sind nichts anderes als kalte Enteignung. Sie zündeln wieder. Sie spielen mit dem Geld der Völker, bislang nur gedanklich, aber demnächst wohl auch faktisch. Es ist offensichtlich: Was wir derzeit erleben, ist die Abkehr vom Paradigma des stabilen Geldes. Bislang galt ein jährlicher Anstieg der Verbraucherpreise von 1,5 bis drei Prozent als tolerierbar. Jetzt, im Zuge der heraufziehenden Staatsschuldenkrise, wird diese Schwelle angehoben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bringt ein Inflationsziel von vier Prozent ins Gespräch. Andere Ökonomen gehen weiter: Fünf Prozent Inflation über mehrere Jahre könne die amerikanischen Staatsschulden "signifikant reduzieren", rechnen die US-Ökonomen Joshua Aizenman und Nancy Marion vor. Es gebe in Zeiten schwachen Wachstums kaum einen anderen Weg.

Aktualisiert (Freitag, den 18. Februar 2011 um 18:21 Uhr)

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Der Stärkere gewinnt

Märkte versagen, Demokratien wanken, Deutschland verliert global an Macht: In einer Studie hat ein Think Tank der Bundeswehr analysiert, wie die sinkende Ölförderung die Weltwirtschaft verändert.  Parallele zu Aktivitäten in Großbritannien. Erst in der vergangenen Woche hatte der "Guardian" darüber berichtet, dass das britische Department of Energy and Climate Change (DECC) Dokumente unter Verschluss halte, wonach sich Großbritanniens Regierung weit größere Sorgen über eine künftige Versorgungskrise macht, als sie zugeben will.  Demnach arbeiten das DECC, die Bank of England, das britische Verteidigungsministerium und Vertreter der Industrie an einem Krisenplan, der sich mit den Folgen möglicher Versorgungsengpässe beschäftigt. Anfragen des sogenannten Peak Oil Workshops an Energieexperten liegen SPIEGEL ONLINE vor. Eine DECC-Sprecherin bemühte sich, den Vorgang herunterzuspielen. Die Anfragen seien "Routine", sagte sie dem "Guardian"; sie hätten keine politischen Implikationen.

Marktversagen und globale Kettenreaktion! So schreibt das Dezernat Zukunftsanalyse, es gebe "eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Peak Oil bereits um das Jahr 2010 zu verorten ist und sicherheitspolitische Auswirkungen mit einer Verzögerung von 15 bis 30 Jahren erwartet werden können". Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Peak Oil wurden für Deutschland nun erstmals umfassend untersucht. Der Erdölexperte Steffen Bukold hat die Ergebnisse der Bundeswehr-Studie ausgewertet zusammengefasst. Die zentralen Erkenntnisse im Überblick:

Aktualisiert (Freitag, den 18. Februar 2011 um 18:28 Uhr)

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Bildungskrise

Die Zahl der Kinder ohne jede Schulbildung sinkt weltweit - aber sehr langsam. Fern ist das Ziel, bis 2015 allen den Schulbesuch zu ermöglichen. Die Unesco fordert mehr Hilfe der Industriestaaten und warnt vor den Folgen der Finanzkrise: Eine verlorene Generation könne die Welt allen nicht leisten. 72 Millionen Kinder weltweit können nicht zur Schule gehen. Und gerade in den ärmsten Ländern bedrohen die Folgen der Finanzkrise den Zugang zur Bildung für Kinder. Das Ziel, bis 2015 allen Kindern wenigstens den Besuch einer Grundschule zu ermöglichen, sei in Gefahr, erklärte die Unesco am Dienstag in New York. Um es doch noch zu erreichen, müssten die Industriestaaten ihre Entwicklungshilfe um mindestens 16 Milliarden Dollar (gut zehn Milliarden Euro) jährlich aufstocken. Bislang vernachlässigten wichtige Geldgeber wie Deutschland die Primar-Ausbildung, kritisierte die Unesco. So investierten Deutschland, Frankreich und Japan über die Hälfte ihres Entwicklungshilfe-Etats für Bildung in weiterführende Schulen oder Universitäten, erklärte die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Dabei sei bereits im Jahr 2000 auf einer internationalen Konferenz im Senegal vereinbart worden, bis 2015 allen Kindern weltweit Zugang zu grundlegender Bildung zu verschaffen.

Aktualisiert (Freitag, den 18. Februar 2011 um 18:42 Uhr)

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